Mutation

Ein faszinierendes Phänomen ist für mich die so genannte Mutationsfistelstimme von männlichen Jugendlichen bzw. jungen Erwachsenen. Die Mutation, der Stimmwechsel als Grenze zwischen Jugend und Erwachsensein, die bei männlichen Jugendlichen um das 14. Lebensjahr erfolgt (10.-16. Lebens-jahr), dauert hierbei länger als die Regelzeit von 6 bis 24 Monaten. Die männliche Stimme weist eine erhöhte mittlere Sprechstimmlage auf, die bei Belastung noch weiter steigt. Der Stimmklang bricht weg und schießt, insbesondere bei emotionaler Erregung, nach oben. Typisch ist ein Kehlkopfhochstand und entsprechend ein hoch fixiertes, kaum bewegtes Zwerchfell. Beim Räuspern oder Husten klingt in aller Regel die männliche Stimme mit dem dominierenden Brustregister durch.
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Junge Männer, die im Stimmbruch stecken geblieben sind, brauchen daher männliche, noch besser männlich-psychologische Rückenstärkung. Durch die zu geringe Berücksichtigung der Bedeutung des männlichen Sprechvorbilds ist es oft Zufall, dass ein junger Mann zu einem männlichen Therapeuten kommt und ihm angemessen geholfen werden kann. Die Tatsache, dass die nicht-psychologische Sprachtherapie zum größten Teil in Händen von Frauen liegt, trägt ihren Teil dazu bei, dass die Therapie von (männlichen) Mutationsfistelstimmen trotz viel Mühe am Kern vorbei geht: Die männliche Seele in der sich nach-entwickelnden Männerstimme strebt nach männlicher Energie. Diese männliche Energie ist umso wirksamer, je mehr sie von einem Mann oder Therapeuten herrührt, der Raum und Orientierung zu geben bereit ist.

(Auszug aus: Jochen Waibel, Ich Stimme, 2000, 178 f)